FM-Hub und Kanalbreite - Bayernfunk

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FM-Hub und Kanalbreite

elädrische Machlerei

Wieso bei Frequenzmodulation lauter Aufdrehen nicht mehr Reichweite schafft.
Es passiert mir immer wieder mal, daß ich eine weiter entfernte Funkstation nur stark verkratzt höre.
Wenn ich dann den Funker darauf aufmerksam mache, daß er zu laut ist,
erwidert er, daß er sein Signal mit einem zweiten Funkgerät abgehört hat
und das es bei ihm doch sauber ist.

Er hat bei sich in der Nähe andere Empfangsverhältnisse, als ich in einiger Entfernung.
Ich habe mal einen Empfänger mit einem HF-Netzwerk-Analysator betrachtet,
wenn die Empfangsfeldstärke sehr groß ist, der Empfänger im Nahbereich also gut in der Sättigung ist.
Diese Betrachtung habe ich mit einem Screenshot festgehalten, das sieht dann so aus:

Bei großer Empfangsfeldstärke ist die Durchlasskurve der ZF-Filter-Stufe etwas breiter als der Kanal,
die Empfänger-AGC kann regeln,"die ZF ist gesättigt"und lässt einen größeren Hub unverzerrt durch.
Die beiden Marker M1 und M2 zeigen die Grenzen des Kanals.
Die mögliche unverzerrte Modulationsbreite habe ich mit grüner Farbe dazu gemalt.
Man kann genau sehen wie der zu große Hub teilweise auf den Nachbarkanal wirkt.
Ich weiß ich bin kein guter "Mausmaler".

Wenn man nun mit dem Netzwerkanalysator die Signalstärke reduziert,
wird die Durchlasskurve des Empfängers schmäler, hier etwas bei Santiago sechs,
wo die ZF gerade noch so in die Sättigung kommt:

Schon hier führt ein zu großer Hub zu stark verkratzten Geräuschen im Empfang.

Ist aber die Empfangsfeldstärke sehr gering, wird technisch bedingt die Durchlasskurve noch schmäler,
die AGC ist auf volle Verstärkung, das reicht aber nicht aus,"Die ZF ist nicht gesättigt".
Das heißt, daß bei einem schwachen Signal nicht mehr so viel Hub unverzerrt durchgelassen wird.
Das sieht dann bei dem gleichen Gerät so aus:

Ich habe die Kurve des maximal unverzerrt nutzbaren Hubes auch hier wieder grün eingezeichnet.
Man kann deutlich erkennen, daß man nicht so laut sein darf, um den Empfänger in seiner Breite
nicht zu überfahren und gut verstanden zu werden.

Wäre jetzt der Hub so groß, wie in dem Bild vorher,
würde man nur sehr schlecht verstehen können, weil das Signal dann stark verzerrt wird,
und es würde der S-Wert bei lauten Tönen runter gehen, also abmodulieren,
weil die Leistung in dem Moment ausserhalb des Kanals ankommt und eben auf Diesem fehlt.

Es wird nicht lauter, nur verzerrter.

Fazit:
Es ist gerade bei einer schwachen Verbindung zweckdienlich, den Nennhub ein zu halten.
Wer bei seinem Gerät den Hub aufdreht, tut das nur, um seinen Nachbarn zu beeindrucken,
aber nicht um eine ferne Funkverbindungen zu verbessern.

Die Bilder waren von einem "guten" Funkgerät aus den achtziger-Jahren
mit der kompletten Eingangsschaltung .
Ich habe mir einen Meßadapter gebaut, in dem ich die Filter zum Vergleich alleine messen kann.
Wenn ich Euch jetzt noch ein paar Filterkurven zeige, wird Euch der Unterschied klar,
warum gerade die neueren Kisten eher mal verzerren, wenn jemand mit zu viel Hub daher kommt.
Wie verzerrt das dann wird, wenn der Funkteilnehmer zwar laut, und noch dazu schwach reinkommt,
kann man sich dann vielleicht vorstellen.


Die vertikalen Linien Marker M1 und M2 markieren die Kanalbreite.
Hier zunächst ein Bild der Durchlasskurve des zweiten ZF-Filters einer alten Kaiser:

Hier sieht man, daß dieses Gerät damals noch etwas breiter empfangen konnte,
eine Station mit etwas mehr Hub kam noch unverzerrt rein.

Noch ein anderer Filter, der aus einer Grundig Heimstation stammt:

Hier ist die Kanalbreite des Empfängers genau die, die es sein sollte.
Ein postalischer Hub wird noch verzerrungsarm empfangen,
aber wenn etwas mehr Hub kommt, scheppert es schon.

Jetzt kommt ein Beispiel aus einer Jackson der 90er,


da sieht man: rechts wird es schon bei Nennhub knapp,
wenn hier einer noch dazu viel Hub bringt, scheppert und klirrt es gewaltig.

Jetzt ein Bild der Durchlasskurve eines "modernen" ZF-Filters:

da ist es rechts zu knapp. Da klirrt praktisch jede Station die empfangen wird etwas.

Beim nächsten Bild ist die Durchlasskurve links zu knapp:

Auch hier klirrt jede Station etwas, wenn sie auch noch so unverzerrt moduliert.

Hier noch ein Bild von einem durchschnittlichen, "modernen" ZF-Filter,
bei dem es links und rechts nicht richtig reicht:

Hier klirrt jede Station schon mal ein Bißchen und je weiter weg, um so mehr.
Die Fabrikate aus denen diese aktuellen aber "zu schmalen" Filter sind, nenne ich hier nicht,
damit mir niemand "Rufschädigung" ans Knie schrauben kann.

Ich konnte damit hoffentlich klar stellen, daß man mit einem alten Gerät durchaus
noch unterscheiden kann, ob jemand sauber oder verzerrt moduliert,
soweit er den Hub einigermaßen einhält natürlich.
Mit einer neueren Kiste klirren alle Teilnehmer etwas und die, die laut senden um so mehr.
Da macht es keinen Unterschied, ob der Sender sauber moduliert,
oder schon die Modulationsbegrenzung des Senders scheppert.
So wird allgemein angenommen, "das ist halt der Funk, daß das so tut,
wie wenn eine Schachtel mit rostigen Nägeln die Treppe herunterpoltert".

CB-Funk muß nicht zwangsläufig so scheppern !

Mit so einem neuen Gerät ist nur noch sauber zu hören,
wer deutlich unter den Grenzen für den Maximalhub bleibt.

Abhilfe:
Man kann aber den zweiten ZF-Filter gegen einen etwas breiteren tauschen,
zum Beispiel einen, der aus einer alten Kiste ausgeschlachtet wurde.
Mit einem Filter von "früher" kann man auch wieder so gut hören, wie "früher",
aber vorsicht, so ein Filter aus einer ganz alten reinen AM-Kiste kann auch ganz leicht zu schmal sein

So ein schmaler ZF-Filter, der bei AM noch gut war, ist für FM nicht geeignet !

Text und Bilder von Hans der Badewanne

 
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